Wirtschaft

Olaf Scholz im Google Hangout Panel zur Medien Transformation

 

Zur Zeit findet die Social Media Week in Hamburg (und anderen Standorten weltweit) statt. Bedeutet: jeden Tag viele spannende Vorträge, Panels, Sessions, etc.

(Kurze Werbeunterbrechung: Am 21. Februar tragen wir bei meinem Arbeitgeber DDB Tribal ebenfalls einige Social Media Cases in drei Sessions aus unserem Arbeitsalltag vor.)

Sehr spannend war ein Panel, das ich leider nicht live sehen konnte, aber nun als Hangout on Air nachträglich auf YouTube ansehen konnte. Es unterhielten sich verschiedene Vertreter von “New Media” aus Hamburg und San Francisco mit dem ersten Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz.

Geht natürlich um die Standortfrage Hamburg als Stadt für die neuen Medien, im Vergleich zu Berlin oder San Francisco. Es wurde viel darüber gesprochen, wie man Hamburg interessanter für diese Branche machen kann, eine Frage, die mir auch persönlich sehr am Herzen liegt.

Insofern fand ich diese Session sehr spannend:

 

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Hamburger Abendblatt Wochenend-Spam.

 

Laut meedia.de wird es ab dem 12. Januar eine neue Variante des Hamburger Abendblattes geben – eine Wochenend-Ausgabe mit den wichtigsten Meldungen der Woche.

Das Konzept lautet: “Best-of-the-Week Nachrichten aus Hamburg und Umgebung, Veranstaltungstipps fürs Wochenende, Fernsehprogramm, regionale Rubrikenmärkte”.

Es ist der zweite Teil der Meldung von meedia, der beunruhigt:

Der Fokus liegt auf den Werbekunden – die erreichen laut den Mediaunterlagen nämlich auch sogenannte Werbeverweigerer. Auch die Briefkästen, die Werbeverbotsschilder haben, werden bestückt. Werbekunden können sogar Teilbelegungen nach Bezirken wählen. Mit der Maßnahme soll nach dem Berliner Vorbild die Reichweite der Marke auch auf Nicht-Abonnenten bzw. Käufer ausgedehnt werden.

Noch mal zusammengefasst: das Hamburger Abendblatt wird am Wochenende ein Anzeigenblatt, getarnt als Wochenendausgabe, aber mit einfach nur aufgewärmten Inhalten, und das alles nur, um die Werbe-Verbote Deutscher Briefkästen zu umgehen?

Was für eine schwachsinnige  Idee ist denn das? Ist das ein Versuch einer Antwort auf das Zeitungssterben?

 

 

Was nach dem Zeitungssterben bleiben wird.

 

Aus gegebenem Anlass beschäftige ich mich in den letzten Tagen sehr viel mehr mit dem Zeitungssterben. Und wundere mich, dass das Wissen darum jetzt erst so richtig “Mainstream” zu werden scheint.

Die Verlagsbranche hat in den letzten Jahrzehnten gutes Geld verdient und stand gut da. Seit einigen Tagen mäandert in Deutschland allerdings eine Flutwelle von Artikeln zum Zeitungssterben durch die Redaktionen, als hätte man erst jetzt so richtig realisiert, was digitale Infrastrukturen für die Medienbranche bedeuten werden. Dass in den USA in den letzten Jahren hunderte von Zeitungen gestorben sind, wollte hier wohl keiner so richtig wahrhaben. Erst wenn Branchengrößen wie die Frankfurter Rundschau oder die Financial Times eine Kernschmelze erleiden, bemerkt man den GAU, der sich schon seit mehr als 10-15 Jahren angekündigt hat.

Warum konnten die Zeitungen / die Printmedien (um das etwas weiter zu fassen, denn es sterben demnächst mit Sicherheit auch Wochen- und Special-Interest-Magazine) denn bisher überhaupt so gut überleben, und was hat sich durch digitale Infrastrukturen in der Informations-Diffusion geändert?

In jeder Branche mit hohen Gewinn-Margen gibt es eine Verknappung von einem oder mehreren Gütern – sonst könnten die Anbieter keine hohen Margen erzielen.

In der Zeitungsbranche waren es meiner Meinung nach drei Verknappungsfaktoren:

  • Die verfügbare Fläche für Inhalte und Werbung, gemessen in Seiten. Wer ein Teil des “Real Estate” einer Zeitung belegen wollte, musste viel Geld zahlen, daher konnten hohe Werbeeinnahmen erzielt werden.
  • Die logistische Reichweite einer Zeitung. Nur die großen überregionalen Zeitungen werden bundesweit verkauft, weswegen extrem viele lokale und Regionale Zeitungen zeitgleich existieren können / konnten.
  • Die Qualität der Artikel und Reportagen. Guter Journalismus produziert nur eine bestimmte Menge an Inhalten pro Tag oder Woche – der Rest wird aus den Pressetickern abgeschrieben.

Das Internet – generell die digitalen Zubringer von Daten und Informationen – haben mindestens zwei dieser Verknappungen ausgehebelt. Was muss also passieren?

 

Neue Einnahmequellen sind gefordert

Die verfügbare Fläche ist nicht mehr begrenzt. Begrenzt sich nur noch die Page Impressions pro Tag, basierend auf den Besuchern pro Tag. Außerdem hat es sich im Web etabliert, viele kleine Werbeformate zu verkaufen, die vergleichsweise weniger Ertrag bringen als ihre “Vorfahren” in den gedruckten Ausgaben. Was benötigt wird sind also neue Arten von Einnahmequellen. Micropayments, Dienste wie Flattr für journalistische Inhalte, Affiliate, Partnerschaften, Paywalls, etc. Was Nutzer akzeptieren, ist noch nicht klar und kann sich auch von Medium zu Medium unterscheiden. Hier wurde in den letzten 10 Jahren viel zu wenig ausprobiert, sodass die Branche jetzt, wo es langsam Zeit wird, immer noch nicht weiß, wo die Reise hingehen sollte.

 

Regionale Medien müssen ihre Nische bedienen

Die Tatsache, dass es keine regionale Begrenzung von Zeitungen mehr gibt, bedeutet aber auch, dass man mit wenigen Klicks auf allen Zeitungs-Websites dieselben Stories lesen kann. Die Angebote sind somit austauschbar. Was an überregionalen oder internationalen Stories im Hamburger Abendblatt steht, findet man auch in jeder anderen Zeitung in Deutschland. Hier können nur die gewinnen, die lokale Inhalte (“Hyperlokaler Journalismus“) bieten und nahe an ihrer lokalen Zielgruppe sind.

 

Nutzer werden nach Qualität verlangen und dafür bezahlen

Und damit kommen wir zum dritten Punkt: Qualität. Die ist immer noch knapp. Auch und gerade in den digitalen Medien. Natürlich gibt es einige Blogger, die erfolgreich gute Inhalte bloggen. Aber es gibt Millionen andere, die das Netz mit Katzenbildern zu kleistern. Wenn sich in ein paar Jahren die Zahl der Medienmarken sehr stark reduziert haben sollte, dann wird man sehen, wie unaufgeräumt das Netz ist, wenn man wirklich handfeste, gut recherchierte oder kuratierte Informationen benötigt. In diesem Chaos nutzergenerierter Inhalte wird man sich nach Medienmarken sehnen, die hinsichtlich Qualität und Belastbarkeit von Informationen etwas Sicherheit geben.

Hyperlocal und Qualität sind meiner Meinung nach die besten Ansatzpunkte für Medien, die in der digitalen Welt einen nachvollziehbaren Vorteil bieten wollen. Gut recherchierte Stories oder fundierte Meinungen. Lokale Nachrichten oder Tipps, die man nirgendwo anders bekommt. Das ist auch das, was Matthias Döpfner in der Welt Online mit dem Titel “Der Journalismus hat das Beste noch vor sich” schreibt.

Alle Welt redet vom Zeitungssterben. Doch Journalismus ist nicht vom Papier abhängig. Zeitung kann auch digital zum Leser kommen. Gute Zeiten für Verleger, die Wachstum gestalten wollen.

Man sollte in der aktuellen Diskussion den Übertragungsweg (Tinte auf totem Holz) von den Inhalten trennen. Gute Inhalte werden weiterhin nachgefragt und bezahlt. Alles andere, also redundante Inhalte oder Inhalte fragwürdiger Qualität werden diese Phase nicht überleben.

Im Übrigen werden große Medienmarken in Zukunft nicht mehr nur große Verlagshäuser sein. Ich schätze, dass sich noch einige Blogger professionalisieren werden (wie es in den USA viele bereits getan haben und damit viel Geld verdienen). Des Weiteren werden sich viele Journalisten, die im aktuellen Zeitungssterben ihren Job verlieren, mit einem Blog die Zeit vertreiben, bis sie merken, dass sie damit ebenfalls gutes Geld verdienen können.

Insofern glaube ich, dass die Medienlandschaft in Deutschland sehr viel Potential hat, noch viel interessanter zu werden als jemals zu vor. Nur wird in Zukunft sehr viel weniger auf totem Holz stattfinden und auf Lastwagen zu den Lesern gefahren werden müssen. Das tut auch der Umwelt gut…

 

 

Apple vs Samsung ist eigentlich: Apple vs Google?

Ein interessantes Kurzvideo über all das, was hinter dem Rechtsstreit von Apple und Samsung steckt:

Der große Unsinn Leistungsschutzrecht.

 

Stell dir vor, du hast unglaublich viele Freunde, und tust einem wildfremden armen Mann den Gefallen, all deinen Freunden von diesem Mann zu erzählen. Damit deine Freunde diesen Mann besuchen, seiner Geschichte zuhören. Denn so kann dieser arme Mann sein Geld verdienen.

Stell dir vor, du hast einen einzigen Satz aus der Geschichte dieses armen Mannes zitiert, um deinen Freunden den Besuch schmackhaft zu machen. Nur der erste Satz, der mit dem er normalerweise seine Geschichte beginnt, damit deine Freunde wissen wollen wie es weitergeht und ihn besuchen müssen.

Und jetzt stell dir vor, dieser arme Mann hält die Hand auf und verlangt, dass du im Geld zahlst. Weil deine Freunde diesen armen Mann besucht haben. Weil du einen Satz seiner Geschichte benutzt hast.

Das ist das Leistungsschutzrecht. Und die Moral von der Geschicht? Hilf einem alten armen Manne nicht? Das zumindest würde ich tun, wenn ich Google, Bing oder Yahoo! wäre.

Denn das Leistungsschutzrecht verlangt, dass Suchmaschinen Geld an Verlage zahlen müssen, wenn sie Suchtreffern mit Snippets aus den Artikeln der Verlage zeigen. Was sie letztendlich machen, um diese User per Link auf die Website der Verlage zu schicken.

 

Der Elektrische Reporter erklärt es ganz gut:

 

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Wiedermal frage ich mich, ob die Politiker, die uns zur Zeit regieren, überhaupt noch die Einschläge bemerken?

 

 

Eine Studie beweist das Offensichtliche: Moderne Musik ist lauter und langweiliger als früher.

Neulich habe ich mir bei Spotify die Top 100 Charts aus Deutschland angehört und war wenig “amused”. Eine einzige Einheitsbrei-Suppe. Schon öfter habe ich mich gefragt, warum so viele der heutigen Songs so langweilig sind. Habe das aber immer damit abgetan, dass die Charts eben für die Teens von heute sind und ich aufgrund meines fortgeschrittenen Semesters lieber olle Kamellen höre.

Jetzt ist mein Gefühl bestätigt worden. Moderne Musik ist langweiliger geworden.

Eine Studie beweist, dass Musik heutzutage aus immer weniger Akkorden besteht, die Loudness-Level angehoben sind und weniger Instrumente genutzt werden.

we prove important changes or trends related to the restriction of pitch transitions, the homogenization of the timbral palette, and the growing loudness levels. This suggests that our perception of the new would be rooted on these changing characteristics. Hence, an old tune could perfectly sound novel and fashionable, provided that it consisted of common harmonic progressions, changed the instrumentation, and increased the average loudness

Auf der verlinkten Website werden zusätzlich viele Grafiken gezeigt, die Erkenntnisse visualisieren.

Ob sich dieser Trend jemals umkehren wird? Meiner Meinung nach ja, und zwar dann, wenn die Charts wieder vermehrt die Werke echter Künstler repräsentieren und nicht die Auswüchse einer sterilen durchgeplanten Musikmaschine, wie es die Musikverlage mittlerweile zu bevorzugen scheinen.

Da ich zur Zeit sowieso sehr begeistert von Musik-Geschäftsmodellen wie Spotify bin, hoffe ich natürlich, dass die alten Geschäftsmodelle der Musikbranche (“wir transportieren Plastikscheiben mit Musik von A nach B”) durch innovativere Modelle komplett abgelöst werden – und dass das auch einen Schub für die Vielfalt der Musik und der Künstler bedeutet.

Ich glaube sowieso nicht mehr, dass man in 10 Jahren noch CDs kauft. Allenfalls Sammler, die die Dinger im Regal stehen haben wollen (ein Grund, weshalb ich z.B. auf immer und ewig Bücher kaufen werde).

Dienste wie Spotify könnten in Zukunft selbst zum Label werden. Und im Long Tail von Nischen-Musik quasi alles anbieten. Schon jetzt gibt es über 15 Millionen Songs, das Interface ist aber dennoch sehr übersichtlich. Es ist also noch “Platz” für Millionen weiterer Künstler.

Theoretisch könnte Spotify (oder Napster, Simfy, etc.) also einen ähnlichen Weg gehen, wie Amazon mit dem Amazon Kindle Direct Publishing, wo sich jeder Schreiberling seiner Nischen-Leserschaft präsentieren kann.

So könnten sich mit etwas Glück und der richtigen Entwicklung in Zukunft wieder sehr viel mehr Nischen-Künstler in meinem Spotify Stream breit machen, und auch moderne Musik wieder interessanter für mich (und die Wissenschaftler) werden.

Wie man dann in Zukunft, in Zeiten einer extremen Fragmentierung des Musikmarktes, noch Charts ermitteln will, oder welche Aussagekraft diese haben, wird sich zeigen.

(bei n-tv gefunden.)

 

Viel Lärm um nichts: Sarrazins neues Buch ist anscheinend gar nicht so kontrovers.

Das Geschrei war groß und Thilo Sarrazin steht seit dem letzten Wochenende wiedermals als der kontroverse Buhmann da. Laut diesem Artikel der Welt allerdings völlig zu unrecht. Das Buch enthält anscheinend keine ähnlich schlimmen Aussagen wie bei “Deutschland schafft sich ab“.

Der schlimmste Vorwurf ist laut dem Artikel schlichtweg falsch zitiert:

Denn die Verbindung zwischen dem Euro und Deutschlands Schuld am Zweiten Weltkrieg hatte nicht Sarrazin gezogen, sondern Helmut Schmidt, ohne dass sich auch nur ein Mensch darüber erregt hätte. Sarrazin meint lediglich: Wenn das tatsächlich bei den Überlegungen der politisch Handelnden eine Rolle spielen sollte, müsse das offengelegt und sorgfältig von anderen ökonomischen und politischen Argumenten pro und kontra Gemeinschaftswährung getrennt werden.

Man müsste ihn eher schimpfen, Deutschland mit seinem über 460 Seiten langen Buch zu langweilen, mit Statistiken und Zahlenkollonnen zu bombadieren, bis das Unverständnis von der Müdigkeit überholt wird.

Schlimm finde ich es, dass das Geschrei in Deutschland schon ausbricht, bevor die Leute das Buch überhaupt gelesen haben.

Mich würde in dem Zuge mal interessieren, wie viele Leute das “Skandalbuch” davor gelesen haben? Nicht falsch verstehen, ich finde die Thesen über die Vererbung von Intelligenz und den Genen für Intelligenz falsch, bzw. sogar gefährlich. Aber neben all dem Quatsch gab es in dem Buch extrem viele beängstigende Statistiken, die mit diesen Thesen überhaupt nichts zu tun haben. Die aber, wenn auch nur ein Teil davon auf die Zukunft projizierbar ist, echt Angst machen. Was die Altersvorsorge angeht, z.B., oder die globale Wettbewerbsfähigkeit in den nächsten Jahrzehnten.

Ich schweife ab. Was bleibt: Ich werde dieses Buch lesen, damit ich mir meine eigene Meinung bilden kann. Das sollte jeder tun, bevor er sich dem Geschrei der Medien anschliesst, egal ob es Sarrazin oder einen anderen Buchautoren betrifft.

Protest ohne Hintergrundwissen ist ebenfalls gerfährlich.

Und auch wenn es schon 14 Jahre her ist, dass ich mich in meinem Economics Studium durch dicke Bücher volkswirtschaftlicher Thesen gearbeitet habe – ich denk mal Vieles wird mich an meine Abschlussarbeit erinnern. In der habe ich 1998 anhand von diverser dynamischer VWL Modelle errechnet, dass es mit der Europäischen Währungsunion auf lange Sicht nicht gut gehen kann. Nicht, dass das eine bahnbrechende Erkenntnis gewesen wäre, aber dennoch. Jetzt bin ich gespannt darauf, was Thilo Sarrazin im Nachinein für einen Schluss aus den Geschehnissen zieht.

 

 

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