Die Netzneutralität ist tot und Höttges trampelt schon drauf rum

Manchmal weiss man nicht, ob man sich noch ärgern, oder lieber gleich resignieren soll.

Die Netzneutralität wurde vorgestern beerdigt. Direkt am Tag danach zeigt Höttges das wahre Gesicht der Telekom: In Zukunft müssen Unternehmen für mehr Bandbreite und gesicherte Übertragungsqualität von sogenannten „Spezialdiensten“ zahlen.

Während Digitalwirtschaftskommissar Oettinger auf Spezialdienste verwies, bei denen eine gesicherte Übertragungsqualität essentiell ist, war eigentlich allen, die wirklich Ahnung haben, klar, dass das kompletter Stuß ist. Denn die Beispiele Telemedizin und selbstfahrende Autos sind nicht der Normalfall, außerdem steht eh zur Debatte, ob diese Dienste jemals über das normale Internet übertragen werden.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Lobbyisten von Herrn Höttges diesen Stuß in das Skript von Herrn Oettinger geschrieben hat. Und der wiederum hatte vermutlich eh keine Ahnung worüber er eigentlich spricht und alles brav nachgeplappert.

Jetzt, wo das Thema durch ist, muss Höttges keine Augenwischerei mehr betreiben und spricht Klartext. Es geht bei den Spezialdiensten um alles, was eine gesicherte Übertragungsqualität braucht. Also auch so Dinge wie Online Games oder Videokonferenzen.

Warum braucht es diese Spezialdienste im Netz? Das Internet ist vielfältig und bringt Dienste hervor, an die bis vor kurzem noch niemand gedacht hat. Das fängt bei Videokonferenzen und Online-Gaming an und geht über Telemedizin, die automatisierte Verkehrssteuerung und selbststeuernde Autos bis zu vernetzten Produktionsprozessen der Industrie.

Dafür will die Telekom ein paar Prozent Umsatzbeteiligung. Also nicht nur eine monatliche Gebühr, sondern eine Umsatzbeteiligung.

Wollen sie Dienste auf den Markt bringen, bei denen eine gute Übertragungsqualität garantiert sein muss, brauchen gerade sie Spezialdienste. Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent. Das wäre ein fairer Beitrag für die Nutzung der Infrastruktur. Und es sorgt für mehr Wettbewerb im Netz.

Es ist also genau das eingetreten, wovor viele gewarnt haben. Dabei erkennt Herr Höttges selbst, dass das Internet eine gesellschaftlich wichtige Infrastruktur ist. Gleichzeitig ist es schon fast ein Hohn, dass er in dem Zuge sagt, es müsse frei und ohne Diskriminierung bleiben. Genau das Gegenteil hat er (und seine CEO Kollegen der anderen europäischen Telekom Gesellschaften) jetzt erreicht.

Es hat als Informations- und Partizipationsmedium eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Es muss deshalb frei, offen und ohne Diskriminierung bleiben.

 

Zwei Dinge würde ich mir für die Zukunft wünschen:

  1. Politiker sollten in Zukunft für ihr Ressort eine gewisse Fachkompetenz aufweisen oder sich aneignen. In vielen Berufen ist so etwas eine Grundvoraussetzung. Warum nicht auch bei Politikern, die ja über durchaus wichtige Themen entscheiden?
  2. Das Internet als gesellschaftlich wichtige Infrastruktur sollte nicht in den Händen eines marktwirtschaftlich operierenden Unternehmens liegen.

 

 

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Kein Grund zur Verletzung der Netzneutralität.

Netzneutralität SymbolEs gab in der Vergangenheit zwei Argumente für Netzneutralität seitens diverser Regierungsvertreter. Beide wurden so oft und immer in ähnlicher Weise wiederholt, als hätten alle das gleiche Lobbyisten-Skript auswendig gelernt.

Das erste Argument betrifft elektronische Tele-Operationen, von denen ich noch nicht herausbekommen konnte, wie oft die tatsächlich bereits stattfinden. Stattdessen habe ich irgendwo gelesen, dass für solche Zwecke eh eigene Standleitungen genutzt werden.

Das zweite Argument betrifft selbstfahrende Autos, die mit Daten aus dem Internet navigieren.

Hier die Argumente von Herrn Oettinger:

Wenn wir das Portalkrankenhaus im ländlichen Raum, das bei einem schweren Unfall vielleicht auch Operationssaal sein soll, und das Uniklinikum mit dem Oberazt macht dies, wenn diese digitale und elektronische Operation möglich sein soll, dann geht dies nur in perfekter Qualität und Kapazität der Übertragung der Anweisungen, die der Oberarzt im Organbereich Lunge oder Herz oder Kreislaufgefäße beim Patienten gibt. Das muss uns wohl doch etwas wert sein. Und da kann man doch nicht von perfekter Gleichheit reden.

Ist es wichtiger, dass im Auto hinten rechts die sechsjährige Tochter hockt, und lädt sich Musik runter, Youtube, hinten links hockt der neunjährige Bengel und macht irgendwelche Games. Ist es wichtiger, dass die beiden in Echtzeit oder der Alte vorne links in Echtzeit hört, von rechts kommt jemand? Ich finde Youtube runterladen hat ein paar Sekunden Zeit. Ich finde das Game kann auch mal nicht perfekt auf dem Bildschirm sein. Aber Verkehrssicherheit, ein kommerzieller Dienst, Gesundheit, ein kommerzieller Dienst und ein paar andere fallen mir ein, sollten von der Netzneutralität, von diesem Taliban-ähnlichen Thema abweichen dürfen. (via netzpolitik.org)

Letzteres ist mittlerweile unglaubwürdig geworden. Autobauer würden zur Sicherheit im Straßenverkehr darauf verzichten, wichtige Daten über eine Internetverbindung abzurufen. Stattdessen setzt man eher auf die Bord eigene Sensorik. Es ist also noch unklar, wozu die Netzneutralität für den Straßenverkehr verletzt werden müsse.

Sowohl die Bundesregierung als auch die EU-Kommission blieben eine Antwort auf die Frage schuldig, welche konkreten Dienste diese „Verkehrssicherheit in Echtzeit“ liefern sollen und dafür eine priorisierte Verbindung mit hoher Bandbreite im Auto benötigen. 

Fazit somit bis hierhin: Die bisher genannten Vorteile einer Aufhebung der Netzneutralität erscheinen unwirklich.

 

Die negativen Potentiale von Netzneutralität erscheinen viel konkreter.

Sollten die Daten von Spezialdiensten eine Vorzugsbehandlung erfahren, dann ist der Schritt laut der Befürworter der Netzneutralität nicht mehr weit, auch anderen Diensten gegen Bezahlung Vorrang zu geben. Das wäre interessant für alle Telekommunikationsanbieter, weil sie in dem Fall auf zwei Seiten abkassieren könnten. Auf der einen Seite müssen Internetnutzer für höhere Bandbreiten zahlen, auf der anderen die Anbieter von Daten (Videoportale, Musikstreamingangebote, etc.). Ein deutlich lukrativeres Geschäftsmodell als die reine Bedienung der Endnutzer-Nachfrage.

Die Motivation für einen weiteren Breitbandausbau seitens der Telekommunikationsunternehmen wäre in diesem Fall ebenfalls sehr viel geringer. Schliesslich ließe sich in einem gut ausgebauten Netz kein Geld mit einer Überholspur für Bezahldienste verdienen.

Diese Doppelbesteuerung kann jedoch kleinere Unternehmen benachteiligen, die sich die Daten-Überholspur nicht leisten können. Oder Angebote, die aufgrund eines „Zero-Ratings“ ihrer Konkurrenz schlechte Karten haben. Ein Beispiel, bzw. potentielle Beispiele dafür lieferte bereits die Deutsche Telekom:

Der Musikdienst Spotify kann mit einer monatlichen Pauschale von 10 Euro aus dem Datenvolumen separiert werden. Nutzer können in dem Fall so viele Musikdaten laden, wie sie wollen, das Datenvolumen verringert sich dadurch nicht. Das ist sehr attraktiv, denn wer viel Musik streamt, hat sein Mobil-Datenvolumen schnell ausgereizt. Alle anderen Musikdienste haben einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Interessanterweise gab es damals keinen Aufschrei in der Netzgemeinde. Vermutlich hatte man sich daran gewöhnt, dass im Mobilbereich Tarife anders gestrickt werden.

Ob die Geschäftsentwicklung kleinerer Unternehmen durch die Abschaffung einer Netzneutralität tatsächlich abgewürgt werden würden, ist natürlich unklar. Man könnte auch argumentieren, dass sich gute Ideen auch weiterhin durchsetzen werden.

Eine ganz andere, sehr viel positivere Einstellung zu dem Thema gibt es allerdings in den USA.

 

Mit dem Virtuous Cycle zu mehr Breitband
Wo man in Europa anscheinend eher auf Regulierung, sprich Eingrenzung der Netzneutralität setzt, haben sich die USA für die Beibehaltung der Netzneutralität entschieden.
Auf der anderen Seite des großen Teiches ist man eher optimistisch, mit der Netzneutralität ein besseres Netz zu schaffen.
Zwei Absätze eines Artikels bei netzpolitik.org beschreiben diesen Virtuous Cycle:

Neue Dienste und Applikationen, die auch – und vor allem – von bislang unbekannten Unternehmen stammen können, schrauben die Anforderungen an die dazu notwendige Netzkapazität unweigerlich nach oben. Konsumenten, die diese innovativen Angebote nutzen wollen, werden in Folge nach entsprechend breitbandigen Anschlüssen verlangen und bereit sein, dafür zu bezahlen. Die daraus resultierenden Mehreinnahmen sollten die Netzbetreiber, jedenfalls bei einer funktionierenden Marktstruktur, in den Ausbau der Infrastruktur investieren, um ihre Kunden nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Das wiederum schafft die Grundlage für neue Angebote, die die neu geschaffenen Kapazitäten ausreizen, was zu einem weiteren Ausbau führt und so weiter.

Weil sich etablierte Platzhirschen keinen bevorzugten Zugang erkaufen können und Datenpakete selbst des kleinsten Start-ups gleichberechtigt durch das Netz transportiert werden, kann Innovation auch an den Rändern stattfinden und somit ein Umfeld schaffen, von dem alle profitieren: Diensteanbieter, die sich sicher sein können, dass ihre Angebote nach dem Best-Effort-Prinzip zum Kunden ausgeliefert werden; Netzbetreiber, denen zusätzliche Umsätze in die Kassen gespült werden; Konsumenten, die in den Genuss schnellerer Übertragungsgeschwindigkeiten kommen; und nicht zuletzt die gesamte Volkswirtschaft, die auf einer robusten und gut ausgebauten Infrastruktur aufbauen kann. Ohne Netzneutralität würden für Netzbetreiber hingegen die Anreize überwiegen, Netzwerküberlastungen mittels bezahlter Überholspuren zu monetarisieren – zu Lasten des Breitbandausbaus, der allen zugutekommt. (Hervorhebungen von mir)

Sprich: ein Nachfrage-induzierter Ausbau des Netzes kann das Thema Netzneutralität obsolet machen. In Europa wird aber lieber reguliert,  statt dass man es dem freien Markt überlässt, Probleme zu lösen.

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Netzauslese: Work-Life Balance, Tsipras, Pressefreiheit, Digitale Agenda

Ein paar Lesetipps:

Dustin Moskovitz plädiert für eine bessere Work-Life-Balance in der Tech-Branche. Pausen und Erholung sind wichtig. Mehr Arbeitsstunden ist nicht immer von Vorteil, teilweise wirken sie sich sogar negativ auf das Ergebnis aus. Gilt alles auch für die Werbebranche, denke ich.

 

Eine Lobhudelei an Tsipras den Großen auf RolandTichy.de:

Denn wenn es etwas gibt, an dem dieses Land krankt, dann ist es das traditionelle Nichtverhältnis seiner Bürger zu ihrem Staat. Solange die Griechen ihren Staat lediglich als kostenlose Sozialstation betrachten, wird Griechenland mental in der Dritten Welt verharren. Tsipras aber könnte es sein, der Ihnen erklärt, dass ein moderner Staat andere Anforderungen an seine Bürger stellt als jene traditionellen Verhaltensmuster byzantinisch-osmanischen Ursprungs. Geben wir ihn diese Chance.

 

In einem Artikel auf Zeit Online heißt es, die deutsche Pressefreiheit ist ein Fall für die UN. Sei es die Heckler&Koch Geschichte, die Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung oder die Affäre um Netzpolitik.org. Es ist anscheinend einiges im Argen hinsichtlich den Bestrebungen der Politik und der Pressefreiheit in Deutschland, weswegen Katharina de la Durantaye dies der UN gemeldet hat. Die hören so etwas eigentlich nur aus Ländern wie Russland oder Saudi Arabien. Wird also spannend sein, mitzuverfolgen wie die UN jetzt reagiert. 

 

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung die Digitale Agenda verabschiedet. Denn Deutschland hat noch viel Potential in diesem Bereich, wie andere Ländern zeigen. Leider ist in diesem Bereich noch längst nicht so viel passiert, wie man sich wünschen würde. Deutschland verpasst den Anschluss, wenn es ihn nicht schon längst verpasst hat.

 

 

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Netzauslese: Samwers neuer Fund, Ölpreis Gewinner, die neue Internet-Architektur, BuLi via YouTube

Eine neue Sammlung von Links zu Artikeln, die ich in letzter Zeit interessant fand:

Oliver Samwer sammelt schon wieder Geld ein, das kann er anscheinend wie kein zweiter. Über 1 Milliarde soll der neue Rocket Internet Growth Fund werden. Was noch fehlt, ist eine zweite Erfolgsstory im Stil von Zalando. Da Investoren zur Zeit aber wenig Möglichkeiten haben, ihre Gelder zu investieren, sollte Samwer es nicht schwer haben, diesen Fund zusammen zu sammeln.

 

Apropos Wirtschaft: Der Ölpreis sinkt seit einiger Zeit, und es gibt Gewinner wie auch Verlierer. Grund dafür sind angeblich die lahmende Wirtschaft insbesondere im Großabnehmerland China, aber auch die Weigerung der Saudis, ihre Produktion zurückzufahren. Dadurch herrscht zur Zeit ein Überangebot von 2 Millionen Barrel am Tag. Wer die Bücher von Dirk Müller oder auch „The Grand Chess Board“ von Zbigniew Brzezinski gelesen hat, wird nicht umhinkommen einen größeren Plan dahinter zu vermuten. Wie z.B. die gezielte Schwächung der russischen Wirtschaft. Aber das wird vermutlich nie irgendwo offiziell gesagt werden.

 

Im Podcast Six Pixels of Separation interviewed Mitch Joel David Weinberger – Netzvordenker und einer der Autoren des legendären Cluetrain Manifests. Konkret sprechen sie über einen Artikel von David Weinberger mit dem Titel „The Internet That Was (and Still Could Be)“ im Atlantic Magazine. Sollte man gelesen haben. Denn es geht darum, dass viele mittlerweile das Internet nicht mehr nutzen, wie es ursprünglich gedacht war, teilweise nicht mal mehr wissen, dass sie das Internet nutzen.

 

FoxSports streamt die Bundesliga über YouTube. Mit einem kleinen Trick kann man sich das sogar hier in Deutschland ansehen. Und via Chromecast lässt sich das auch über einen HD Fernseher genießen. Vielleicht schaue ich diese Saison ja ein wenig mehr Fussi.

 

 

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Aus Google wird Alphabet. Sonst ändert sich nichts, oder?

Google LogoEine Meldung, die auf den ersten Blick wie eine typische Unternehmensberater getriebene Umfirmierung aussieht, letztendlich aber mehr Tragweite mit sich bringt, als auf den ersten Blick sichtbar wird: Der Konzern Google wird in Alphabet umbenannt. Das Suchmaschinengeschäft wird eine Tochter von Alphabet – und weiterhin Google heißen. Klingt wirr, ist aber ein schlauer Schachzug.

What is Alphabet? Alphabet is mostly a collection of companies. The largest of which, of course, is Google. This newer Google is a bit slimmed down, with the companies that are pretty far afield of our main Internet products contained in Alphabet instead. What do we mean by far afield? Good examples are our health efforts: Life Sciences (that works on the glucose-sensing contact lens), and Calico (focused on longevity). Fundamentally, we believe this allows us more management scale, as we can run things independently that aren’t very related. (mehr dazu im Googleblog)

Das Webgeschäft von Google hat mit vielen Projekten, die im Konzern laufen, relativ wenig gemeinsam. Google ist eine Cashcow, letztendlich geht es darum, Nutzern die richtigen Inhalte (und Werbeanzeigen) auf Basis von Unmengen von Daten vorzusetzen. Das macht Google seit Jahren sehr erfolgreich und verdient damit viel Geld.

Die anderen Projekte kosten vermutlich viel Geld und erfordern eine ganz andere Expertise, als das Kerngeschäft von Google.

Um diese Projekte fokussierter voranzutreiben, werden eigene CEOs für die neuen Töchterunternehmen engagiert. Gleichzeitig kann jedes Unternehmen mit einer eigenen Marke in seiner Branche glaubwürdiger auftreten, als die Marke „Google“ das könnte.

Auch die zukünftige Tochter Google muss sich in Zukunft stark auf ihr Kerngeschäft fokussieren können. Facebook mit „Atlas“ und Amazon Advertising arbeiten an Werbemodellen, die dem Google Modell ernsthafte Konkurrenz machen werden, jeder Ansatz auf seine eigene Art und Weise. Kein schlechter Zug, wenn sich Google dieser Problematik fokussierter stellen kann.

Ein weiterer Nebeneffekt, der vielleicht nicht ganz unwichtig ist, wenngleich ich nicht glaube, dass es bei der Entscheidung zur Umstrukturierung eine Rolle gespielt hat: wenn die Marke Alphabet als Holding in den Hintergrund tritt, dann wird die breite Allgemeinheit irgendwann vergessen oder gar nicht erst mitbekommen, welche Konzerne alle in dem Konglomerat stecken und miteinander Daten austauschen können.

Wir dürfen gespannt bleiben, wie die Aktienmärkte diese Strategie bewerten werden. Die erste Reaktion war anscheinend positiv.

 

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Netzauslese 09.08.15

Lange nicht mehr gemacht: Eine Liste von Links zu interessanten Artikeln die ich gerade gelesen habe. Hier ist mal wieder eine Netzauslese.

  • Wir sind zu paranoid und glauben zu viel an irgendwelche halbseidenen Verschwörungstheorien. „Der ganz eigene Wahnsinn“ auf Zeit Online.
  • Eigentlich geht es uns sehr gut. Dennoch sind wir im internationalen Vergleich am pessimistischsten, was Zuwanderung, TTIP und die Stimmung gegenüber großen Unternehmen angeht. „Die Deutschen sind gefährlich satt“ – bei Spiegel Online.
  • Elliot Alderson ist Hacker und begibt sich in die Kreise eine Hackergruppe, die der Anonymous Bewegung ähnelt, um die Verschwörungen großer Konzerne zu stoppen. Ich gebe selten Geld bei iTunes für Serien aus, aber diese scheint es wirklich wert zu sein: Die neue Serie Mr Robot: „Superman im Hoodie“ – bei Zeit Online.

 

 

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Eine Gefahr für die Netzneutralität: „Die Bombe“

Das Geschäftsmodel von Adblock Plus wurde bereits als „Internetwegelagerei“ bezeichnet. Ein von Nutzern installierter Filter, der fast jegliche Online Werbung ausblendet – und nur gegen Bezahlung wieder eingeblendet wird.

Die aktuelle Initiative einiger Telekom Unternehmen führt allerdings noch sehr viel weiter. Ein Projekt mit dem internen Namen „Die Bombe“ soll sämtliche Werbung auf mobilen Endgeräten ausblenden. Ähnlich wie bei Adblock Plus soll es Unternehmen wie z.B. Google möglich sein, durch Zahlung einer noch nicht näher definierten Summe die Werbung wieder einblenden zu lassen.

Der Auslöser für diese Initiative ist das Argument, dass Anbieter wie Google die Infrastruktur nutzen, um mit Werbung Geld zu verdienen – sich aber nicht an den Kosten für diese Infrastruktur beteiligen.

Die teilnehmenden Mobilfunkanbieter wollen auf diesem Weg vor allem Google dazu bewegen, sich wieder mit an den Verhandlungstisch zu setzen und doch nochmal darüber nachzudenken, ob man nicht Teile der Werbeeinnahmen abgeben möchte. (Quelle)

Das klingt wie Erpressung. Zahl uns Geld, oder wir schalten dir deine Einnahmequelle ab, Google?

Mit diesem Schritt wäre die Netzneutralität wieder einmal gefährdet. Die Initiative wird allerdings mehr Verlierer haben, als nur die Unternehmen, die Werbung vermitteln. Denn Google schaltet die Werbung nur, dahinter stecken weitere Stakeholder, die von Online Werbung profitierten:

  • Website Betreiber, die mit Werbung Geld verdienen. Insbesondere viele Nischenangebote, die auf Online Werbung angewiesen sind.
  • Nutzer, die Websites besuchen, die aufgrund solcher Werbung kostenlos bleiben können.
  • Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell stark auf Online Werbung angewiesen sind.

Auf die ersten beiden Punkte wird in vielen Blogs hinlänglich eingegangen. Der dritte Punkt ist allerdings ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Aufgrund meines eigenen kleinen Online Shops – dem Vanille Shop – weiss ich sehr gut, was mich diese Initiative kosten könnte: schlimmstenfalls ca. 23% meines Traffics stammt aus Google AdWords. Das wäre für meinen kleinen Online Shop ein ziemlich herber Verlust. Und das nur, weil die Telekom Unternehmen die Hals nicht voll genug bekommen können. Wird die Infrastruktur nicht bereits von den Nutzern mitbezahlt, die ihren DSL-Anschluss teuer bezahlen?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Infratstruktur wie das Internet in staatliche Hände gehört (wie z.B. das Straßennetz), oder zumindest sehr starkt reguliert werden sollte!

 

 

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