Social Media
Vorfreude auf die re:publica 13
Nachdem ich letztes Jahr meine Teilnahme an der re:publica projektbedingt kurzfristig absagen musste, freue ich mich dieses Jahr umso mehr auf das Klassentreffen.
Natürlich bereite ich mich ordentlich vor. Dazu gehört zum Beispiel dieser Blogpost. Denn hier hat Jörn minutiös aufgeschrieben, wann man worüber bloggen und twittern soll. Da steht nun, dass man am Vorabend einen Blogbeitrag über die Vorfreude schreiben soll. Check.
Gepackt habe ich auch schon, mit Hilfe von Nico’s essentieller Packliste.
Die App ist auf dem Smartphone, morgen auf der Bahnfahrt nach Berlin werde ich meinen persönlichen Kalender zusammenstellen (Tipps, anyone?)
Schnell noch das Rahmenprogramm gelesen, das Stefan zusammengetragen hat, sowie ein wenig in der inoffiziellen Facebook Gruppe gestöbert, dann bin ich bereit.
Ick freu mir, wie der Berliner – glaube ich – so sagt.
Das Digitale ist alles nur geliehen und temporär.
Die Bekanntgabe, dass Posterous am 30. April geschlossen wird und man nur noch bis dahin Zeit hat, seine Inhalte zu sichern, zeigt, dass vieles in der digitalen Welt sehr temporär und nur geliehen ist. Die Schliessung von Posterous ist eine Niederlage für die Online Welt, wird sogar geschrieben.
Das eigene Blog ist oft nicht Eigentum. Der Serverspace und die URL sind nur temporär verfügbar. Die Rechte an den Inhalten tritt man bei einigen Diensten sogar an den Betreiber ab. Die Inhalte kann man nur speichern oder konsumieren, solange der Dienst besteht, oder solange man dafür zahlt. Das gilt für quasi alle Online Dienste.
Nicht einmal Blogs auf “eigenem Hosting” sind sicher, da man im Prinzip immer an eine Firma gebunden ist, die den Server betreibt. Einzig die Nerds, die ihre Websites auf eigenen Maschinen hosten, sind nicht auf Solvenz und Wohlfälligkeit von fremden Firmen angewiesen (wenn man von der reinen Internetverbindung mal absieht).
Bei tumblr.com, wordpress.com, blogger.com, twitter.com und allen anderen Social Content Networks dieser Art existieren die Inhalte nur solange diese Firmen das für richtig halten und auch im Geschäft bleiben. Darauf kann man sich einstellen, oder diese Plattformen von Anfang an meiden. Dennoch ist es sehr ärgerlich, wenn man Jahre lang auf einer Plattform Inhalte veröffentlicht hat und diese dann einfach dicht macht. Bei Posterous haben die User jetzt noch noch wenige Wochen Zeit, ihre Inhalte zu sichern, um sie dann irgendwo anders hochzuladen.
Aber auch bei vielen anderen digitale Anbietern drohen zumeist nicht bekannte Konsequenzen bei der Nutzung:
- Bei Plattformen wie YouTube.com oder Instagram.com tritt man die Nutzungsrechte sämtlicher Inhalte an die Plattform ab. Die Plattform kann diese dann für alle erdenkbaren Zwecke – auch kommerziell – nutzen. Der User geht leer aus. Zugegeben, er zahlt auch nichts für den Dienst.
- Facebook.com löscht angeblich die eigenen Inhalte noch nicht einmal, wenn man sich dort abmeldet. Die persönlichen Daten werden bereits Werbetreibenden Unternehmen für die Planung von Werbung zur Verfügung gestellt. Ähnlich ist es natürlich bei Google+.
- Bei Audible.com kann man Hörbücher nur so lange nutzen / hören, wie man dort ein Profil registriert hat.
- So auch bei Spotify – die Musik kann man nur mit einem Profil hören. Einmal abmelden und die Musiksammlung ist futsch.
- Apple mit iTunes ist nicht besser. Auch die dort gekaufte Musik gehört einem nur so lange, wie man dort ein registriertes Profil hat.
- Mit eBooks von Amazon, Thalia etc. ist es ähnlich, auch dort wird aufgrund des DRM ein Profil benötigt. Wenn man das löscht, dann hat man keinerlei Zugriff mehr auf seine gekauften Bücher.
DRM bedeutet leider, dass man die Inhalte nur so lange besitzt und nutzen kann, wie es möglich ist, eine Verbindung mit dem Anbieter herzustellen, um das eigene Profil zu validieren. Als ich letztes Jahr in China unterwegs war und meine Spotify App sich aus unerfindlichen Gründen erneut bei Spotify anmelden wollte, war das nicht möglich, weil ich in China keinen Zugriff auf Facebook hatte – denn mit Facebook hatte ich mich ursprünglich angemeldet. So konnte ich in den 2 Wochen keine Musik hören, obwohl ich für die mobile offline Nutzung bezahlt hatte.
Das man sich heutzutage bei vielen Diensten einfach schnell mal mit Facebook anmeldet, hat noch eine viel schlimmere Konsequenz: Mit einer Löschung des Facebook Profils beendet man den Zugang zu vielen weiteren Diensten. Vermutlich werden viele gar nicht mehr wissen, bei welchen Diensten sie sich mit Facebook angemeldet haben.
Ein weiterer Punkt, der verdeutlicht, dass man diese digitalen Waren nicht wirklich sein Eigentum nennen kann: man kann sie nicht verschenken, vererben oder verkaufen. Es ging vor einiger Zeit eine Story durch’s Netz, nach der Bruce Willis in der Lage sein wollte, seine bei iTunes gekaufte Musiksammlung zu vererben. Was beim jetzigen DRM nicht möglich wäre. Allerdings war an der Story wohl nichts dran. Vom Prinzip her ist das aber nicht falsch.
Ich habe seit ca. 2006 ein Abo bei Audible und lade mir jeden Monat 2 Hörbücher runter. Sollte ich das Abo weiterführen, dann werde ich irgendwann (hoffentlich in ferner Zukunft) viele hunderte Hörbücher vererben können. Aber nur wenn es Audible dann noch gibt, und auch nur, wenn meine Erben die Digital Rights daran validieren können.
Absolute Musik Highlights kaufe ich mir daher weiterhin auf CD. Gute Bücher, die ich als ebook oder Hörbuch genossen habe, kaufe ich mir zusätzlich auf Papier, um sie im Regal stehen zu haben. Meine Fotoalben lasse ich mir von Zeit zu Zeit auf Papier ziehen, mein Reiseblog mit wunderschönen Reiseerinnerungen werde ich mir demnächst mal auf Papier ausdrucken. Auch wenn das Blog auf einem eigenen gemieteten Server gehostet wird und daher wenig Gefahr besteht, dass es unerwartet verschwindet.
Mich stört der Gedanke, dass das Digitale die Grenzen zwischen Eigentum, Besitz und Nutzung verschwimmen lässt. Vermutlich wird man sich daran gewöhnen müssen, dass man jegliche Inhalte in Form von Text, Video, Bild und Audio nicht mehr besitzen oder unbegrenzt speichern/bereitstellen kann. Den Digital Natives von heute, die sich nie mit dem Gedanken an eine echte Platten- oder Büchersammlung auseinandergesetzt haben, ist das wahrscheinlich sowieso egal.
Mir gefällt es allerdings nur bedingt. Ich lebe zur Zeit den Kompromiss zwischen einer unendlich scheinenden Welt von wundervollen Daten und dem Wunsch, diese Daten in haptischer Form in Regale stellen und aufbewahren zu können.
Olaf Scholz im Google Hangout Panel zur Medien Transformation
Zur Zeit findet die Social Media Week in Hamburg (und anderen Standorten weltweit) statt. Bedeutet: jeden Tag viele spannende Vorträge, Panels, Sessions, etc.
(Kurze Werbeunterbrechung: Am 21. Februar tragen wir bei meinem Arbeitgeber DDB Tribal ebenfalls einige Social Media Cases in drei Sessions aus unserem Arbeitsalltag vor.)
Sehr spannend war ein Panel, das ich leider nicht live sehen konnte, aber nun als Hangout on Air nachträglich auf YouTube ansehen konnte. Es unterhielten sich verschiedene Vertreter von “New Media” aus Hamburg und San Francisco mit dem ersten Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz.
Geht natürlich um die Standortfrage Hamburg als Stadt für die neuen Medien, im Vergleich zu Berlin oder San Francisco. Es wurde viel darüber gesprochen, wie man Hamburg interessanter für diese Branche machen kann, eine Frage, die mir auch persönlich sehr am Herzen liegt.
Insofern fand ich diese Session sehr spannend:
Abschluss vom Move On Filmdreh in Berlin.
Wie ich neulich berichtete, hat die Deutsche Telekom den Road Movie “Move On” mit diversen Stars quer durch 8 Länder Europas gedreht.
Vor etwa zwei Wochen wurden die letzten Szenen in Berlin gedreht, seit Anfang dieser Woche ist das Video des Drehs in Berlin online, inklusive einem Interview mit dem Hauptdarsteller Mads Mikkelsen.
Nachdem ich das Projekt über mehrere Monate mit betreut habe, war ich in Berlin natürlich ebenfalls am Set. Und selbstverständlich musste ich ein Foto mit Mads machen. (Alexandra Maria Lara war an dem Tag leider nicht mehr am Set.)
Der Film befindet sich mittlerweile in der Post Produktion, die Premiere wird in Kürze, noch diesen Herbst, stattfinden. Sobald es ein konkretes Datum gibt, wird es auf der Website zum Film veröffentlicht werden.
Übrigens: Noch könnt Ihr Teil des Films werden. Es gibt immer noch die Aufgabe, den Soundtrack des Films mitzugestalten. Einfach zur Move On Website durchklicken und mitmachen.
jolicloud – Ein Cloud Service für alle deine Shared Links.
Die meisten, die das hier lesen, teilen vermutlich über viel verschiedene Netzwerke alle möglichen Arten von Inhalte. Da verliert man leicht den Überblick.
Jolicloud – noch in beta, ermöglicht die Verwaltung aller dieesr Shared Items. Einfach per Connect-Buttons mit Facebook, Twitter, flickr, tumblr, picasa, instagram, etc. verbinden und schon sammelt jolicloud alles aus diesen Netzwerken ein.
We have found 2158 images, 12 videos, 1 piece of music and many more items in your personal cloud!
Die perfekte Datenkrake und gleichzeitig ein hilfreiches Shared Items Dashboard.
Man kann sich sämtliche Shared Items sogar in einer Voransicht anzeigen lassen.
Faszinierend, wenn sich dieses Tool in der allgemeinen Nutzerschaft verbreiten sollte. Damit hätte Jolicloud einen noch besseren, weil Plattform-übergreifenden, Überblick über die beliebtesten Shared Items im Web als sogar Facebook.
Zweiter Gedanke: die wollen doch sicherlich von Google oder Facebook aufgekauft werden …
Zuck im Glück
Was für eine Woche für Mark Zuckerberg, genannt Zuck, Gründer und CEO von Facebook. Erst hat er Facebook mit einem Rekord-IPO an die Börse gebracht, ist dadurch jetzt 19 Milliarden Dollar schwer, und hat dennoch über 57% der Stimmrechte behalten.
Allerdings heisst auch von einigen Seiten, dass der Börsengang eher mau war. Die Aktie stieg erst vom Ausgabekurs von 38 Dollar auf 42 Dollar, dann sank die Aktie zurück auf 38 Dollar. Angeblich hätten zu dem Zeitpunkt die Banken, die den Börsengang begleitet haben, Stützungskäufe getätigt. Man darf gespannt sein, wie sich die Aktie ab morgen weiterentwickelt. Schlau, am Freitag an die Börse zu gehen, da konnten sich die Gemüter etwas abkühlen.
Teil 2 des großen Glücks: Dieses Woche hat er seine langjährige Freundin Priscilla Chan geheiratet. Das Besondere an dem Foto unten: Mark trägt einen Schlips. De hat er noch nicht mal für die Banker der Wallstreet angelegt.
Somit gibt es nur zwei Menschen, für die Mark einen Schlips angezogen hat: Den Präsidenten Barack Obama und seine Ehefrau. Man stelle sich Priscilla’s Reaktion vor, hätte er zur Hochzeit keinen Schlips getragen…
Social TV und Echtzeit Partizipation bei ARD und ZDF
Früher mochte ich den Tatort nicht, und konnte gar nicht verstehen, warum so viele Leute Sonntag Abend vorm Fernseher kleben. Seit einiger Zeit hat mich der Tatort-Virus erfasst, und die Online Kommentare auf Twitter sind daran nicht unschuldig. Heutzutage ist #tatort jeden Sonntag Trending Topic bei Twitter. Das Gefühl des gemeinsamen Fernseherlebnisses ist größer, als es bei “Wetten, dass…” je sein konnte.
Und ausgerechnet gestern habe ich den Tatort verpasst. Den ersten Tatort ohne eine komplette Auflösung im Primetime TV – dafür mit einem Online Spiel, wo sich die Netzgemeinde darin versuchen kann, den Fall zu lösen.
Man kann sich mit Twitter, Facebook oder einfach nur so anmelden. Nach einem kurzen Tutorial wird man in die virtuelle Polizeiwache entlassen und kann anfangen, die Indizien oder die Leiche zu untersuchen.
… Oder die Verdächtigen zu befragen. Eine einfache Point-and-Click Befragung, wo man vorgegebene Fragen anklicken und sich beantworten lassen kann.
Ob das Gesamtpaket aus TV Serie und Online Spiel gut umgesetzt worden ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen, denn ich will mir erst noch die Tatort Folge in der Mediathek oder bei YouTube ansehen.
Social TV und Echtzeit TV in 2012
Ingesamt zeichnet sich bei den öffentlich rechtlichen ein spannender Trend zum vernetzten Social und Echtzeit TV ab. Ob alles wirklich Social TV ist? In dem Beispiel der ARD fehlen mir diverse soziale Mechanismen. Außer Sharing und ein wenig Kommentierung unterhalb des Game-Frames ist hier (nach ersten Blicken) nichts möglich. Dabei wäre es ja sehr spannend, wenn die Netzgemeinde, die zuvor während des Tatorts getwittert hat, hier weiterhin zusammen den Fall lösen könnte.
Bei der ZDF Serie “die letzte Spur” konnten die Zuschauer online gemeinsam über den vermutlichen Täter rätseln. Tatsächlich konnten die Zuschauer sich auf dem sogenannten “Second Screen” schon während die Serie lief dazu austauschen. Das mutete schon eher wie Social TV in Echtzeit an.
Auch andere Sender testen interaktive Live-Formate und Social TV. So spielen “The Voice” und Gottschalk TV in einem mehr oder minder starken Ausmaße ebenfalls mit der Partizipation der Zuschauer.
Mit der Rundshow startet heute abend der aktuellste Versuch, Social TV in Echtzeit zu produzieren. Richard Gutjahr zu seinem neuen Projekt:
Wir haben Themen im Auge, die im klassischen Programm selten eine Chance haben. Wir haben Technologien und Workflows am Start, die im herkömmlichen TV-Sendebetrieb bislang nicht zum Einsatz kommen. Wir haben unsere Köpfe geöffnet, Dinge völlig neu zu entwickeln – oder aber auch beizubehalten, sofern uns dies als sinnvoll erschien. Bei diesem Projekt ging es nicht darum, das Fernsehen zu revolutionieren, vielmehr das Medium und seine Möglichkeiten in Kombination mit dem Web spielerisch weiterzudenken.
Eine App wird es Zuschauern ermöglichen, in Echtzeit an der Sendung teilzuhaben, schreibt Thomas Knüwer:
…können sich Zuschauer via iPhone-App mit dem bescheidenen Titel “Die Macht” beteiligen: Einerseits gibt es da Umfragen mit vorgefertigten Antworten (die bisher zu klischeehaft klingen), andererseits einen beständig einsetzbaren Daumen-hoch-oder-runter-Button, der im Studio in Form von Applaus oder Buh-Rufen Gehör findet. Schließlich können Zuschauer auf Fotos und Videos in der App hochladen. Die Redaktion wird diese zwar prüfen – für überraschende primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale reicht die Innovationsfreude des BR dann doch nicht -, die Moderatoren aber wissen nicht, was jeweils auf sie zukommt.
Scheint so, als ob 2012 ein spannendes Jahr werden wird, was Social TV und Echtzeit Partizipation angeht!

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