Gerade gedacht

Urlaubsnotizen aus Vietnam.

Es war die letzten Wochen relativ ruhig in diesem Blog, und ich fürchte es wird die nächsten 3 Wochen nicht viel besser.

Der Grund? Ich werde für die nächsten 3 Wochen in Südostasien Urlaub machen, genauer gesagt in Thailand und Vietnam. Alles was man von mir im Web die nächsten Wochen lesen wird, sind lediglich ein paar Urlaubsnotizen.

Facebook wächst und wächst. Wird der IPO noch interessant?

Facebook ist laut Hochrechnung nach dem Investment von Goldman Sachs von $450 Millionen insgesamt $50 Millarden wert, schreibt die FAZ. Allerdings hat sich Goldman Sachs diese Anteile vor dem offiziellen IPO gesichert, weshalb es weiterhin keine offizielle Börsenbewertung gibt. Der IPO könnte noch ein wenig auf sich warten lassen, und erst stattfinden, wenn Facebook viele weitere Investitionen bereits getätigt hat.

Wenn Facebook an die Börse kommt, könnte die Phantasie auf weitere Kursanstiege allerdings schon spürbar gesunken sein. Denn dann betritt ein „fertiges” Unternehmen das Parkett, das Geld für seine weitere Entwicklung eigentlich gar nicht braucht. Das große Geschäft hätten dann die großen Investoren schon vor dem Börsengang gemacht, die ihren Fehler beim Börsengang von Google vermeiden wollen, als der große Wertzuwachs erst nach dem Gang auf Parkett erfolgte.

Das mag ja sein, dennoch könnte auch die weitere Wertentwicklung nach dem Börsengang interessant sein – wenn man langfristig denkt.

Wenn Facebook so weitermacht, dann wird es auch langfristig eine der wichtigsten Anlaufstationen für Nutzer im Web werden. Es wird für andere Player sehr schwierig sein, Facebook auf seinem Terrain zu schlagen. Facebook dominiert die Social-Welt des Webs mittlerweile auf eine Weise, wie Google die Suchmaschinenwelt. Mittlerweile ist Facebook in den USA zur meistbesuchten Website geworden:

Facebook Inc. surpassed Google Inc. as the most visited website in the United States this year, spotlighting the rapid ascendance of social networking over search engines and Internet portals.
Facebook received 8.9 percent of all US Web visits between January and November 2010, according to New York-based Internet tracker Experian Hitwise.
Google’s main site was second with 7.2 percent, followed by Yahoo Inc.’s Mail service, Yahoo’s Web portal, and Google’s YouTube.

Der Deal hat laut einigen Quellen aber noch viel mehr Bedeutung – einiges werden wir erst mit der Zeit zu spüren bekommen:

  • Goldman Sachs wird eine Art “Gatekeeper” beim IPO:

It also makes Goldman Sachs the gatekeeper to who now gets to invest in the super-hot Facebook, and to the inevitable Facebook IPO. According to Dealbook’s Andrew Ross Sorkin and Evelyn Rusli, Goldman is “planning to create a ’special purpose vehicle’ to allow its high-net worth clients to invest in Facebook, which would allow for max investment while circumventing disclosure rules for companies with 500 or more investors. Clever, that.

  • Facebook hat sehr viel Kapital angesammelt, um jetzt richtig “Shoppen” zu gehen. Firmen und Informatiker stehen jetzt auf der Liste und das gesamte Sillicon Valley überlegt bereits, wie sie ihre Topleute anketten können, damit diese nicht zu Facebook abwandern.
  • Es werden wieder sehr viel größere Summen in Internetfirmen investiert (Twitter: 3,7 Milliarden, Groupon: 6 Milliarden, etc.) – man könnte sich leicht an die Blase zu Anfang des Jahrtausends erinnert fühlen. Jeder, der jetzt investiert muss sich fragen: haben sich die Business Modelle und die langfristigen Aussichten wirklich so massiv geändert? Ausreichend, um alle diese Investitionen profitabel zu machen? Oder wird es wieder eine Marktbereinigung geben  – und wer wird daraus als Gewinner/Verbleibender hervorgehen, so wie damals Amazon und ebay?
  • Neue Geschäftsmodelle von Facebook: Facebook hat vermutlich noch nicht einmal richtig angefangen, all die Daten, die die User vertrauensvoll auf ihren Profilen veröffentlichen, zu nutzen. In vielen Ländern und für viele Zwecke werden die Daten nicht komplett ausschlachtbar sein, aber im Bereich des Business Modelling ist sicherlich noch viel Luft nach oben!

Stellt sich also irgendwann nach dem IPO – vielleicht ca. 2012 – die Frage: Facebook Aktien kaufen oder nicht? Das nächste Jahr wird spannend!

Warum “Collaborative Consumption” Sinn macht.

Wer hat Bücher oder DVDs im Regal, die er nie wieder ansehen oder lesen wird?

Wer besitzt eine Bohrmaschine? Eine Bohrmaschine benutzt man im Durchschnitt für insgesamt nur 15 Minuten während der gesamten Lebenszeit dieser Maschine.

“You need a hole in the wall, not a powerdrill”

Von Autos (Carsharing) über Fahrräder (Citybikes) bis hin zu Landsharing (gibt es in England für Leute, die gemeinsam Gemüse anbauen wollen – einer hat einen Hintergarten, der andere den grünen Daumen). Heutzutage gibt es durch das Internetz die Tools und Plattformen, um die Lücke zwischen Besitzer und Benutzer noch einfacher zu schliessen als früher. Sehr interessanter TED Vortrag:

YouTube Preview Image

Science Fiction – the future isn’t dead, we simply overtook it

Ich kann mich ja nach wie vor für Science Fiction Romane und Filme begeistern. Allerdings bevorzuge ich in letzter Zeit eher Bücher wie die aktuellen von William Gibson (Mustererkennung, Quellcode, Spook Country, etc.). Die Ideen und die Technologie in diesen Bücher sind im Prinzip schon heute vorhanden (“The future is already here, it is just unevenly distributed” – das ist ja auch ein Zitat von William Gibson).

Warren Ellis schreibt darüber in diesem Artikel:

Which is part of what Russell’s saying. Science fiction is no longer ahead on the trail, throwing clues to the future back at us. When author William Gibson writes novels today, he writes about the present. No more console cowboys zipping around cyberspace, no more digital pop idols printing themselves out into the real world. That said, his latest trilogy — the “Bigend” books — are notionally set in the contemporary world, yet there remains a sense of… not-presentness. Situations, characters and places seem a second out of sync. The likes of Pattern Recognition‘s coolhunter Cayce Pollard, or viral-advertising exec Hubertus Bigend (from Spook Country and Zero History), remain plausible, without quite having the texture of solid reality to them. The more you look at them, the more you realise they’re speculations. Hubertus Bigend is a novum, a science-fictional creation. But the prose is set at a point less than five minutes from now, which is why we don’t recognise it as such and go along with the instruction that it’s conventional fiction.

In dem lesenswerten Artikel steht auch das schöne Zitat: “the future isn’t dead, we simply overtook it”

Die Bücher stehen in Buchläden in der Science Fiction Abteilung, beschreiben aber zu großen Teilen ein Leben, was viele schon führen. Mein Leben wäre somit in einigen Punkten ebenfalls Science Fiction…

Verwirrung um den Jugendmedienschutzstaatsvertrag

Nur in Deutschland! Nur in Deutschland hat man eine Verordnung, deren Name so lang ist, dass man ihn kaum aussprechen kann.

Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV)

Nur in Deutschland hat man solch eine verwirrende Verordnung. Denn was dahinter steckt, ist ebenso wenig verständlich. Das zeigen diverse Diskussionen in Blogs, Foren, etc.

Dabei diskutieren nicht nur selbsterlauchte Experten (Blogger), sondern auch Rechtsanwälte. Die wiederum sind sich allerdings ebenfalls nicht einig.

Die Waffen einer Online Petition sind schnell gezückt, und so gibt es bereits eine Site, auf der man sich eintragen kann, wenn man dafür ist, dass das JMStV abgeschafft wird. Es sind erst etwas über 1.000 Einträge, aber ich bin mir sicher, dass es schnell mehr werden.

Was ist also die logische Konsequenz? Blog abschalten? “Sendezeiten” einführen? Alles riskieren?

Ist das JMStV überhaupt wirkungsvoll? Das Internet hat ja keine Grenzen. Jeder könnte ein anonymes Blog auf einem internationalen Server einrichten und weiter auf Deutsch blgogen. Ein Blog außerhalb des Deutschen Rechtsraumes, kinderleicht erreichbar.

Ich werde dieses Blog erst mal weiterführen und schauen, ob die Diskussion in die eine oder andere Richtung ausschlägt.

Google Streetview vs Sightwalk.de

Die Deutschen regen sich auf über Google Streetview und merken nicht, dass es die ganze Zeit schon Sightwalk gibt, was ganz ähnlich funktioniert. Basis scheint Open Street Map zu sein. Die 360°-Fotos sind in Flash eingebunden, fühlen sich aber an wie Quicktime VR, was es schon relativ lange gibt. Die Gesichter der Personen auf den Fotos sind – zumindest in den Beispielen, die ich gesehen habe – alle unkenntlich gemacht worden (nach einem Klick auf das Foto unten kann man das besser sehen). Somit sollte das den Anforderungen, die auch an Google gestellt werden, genügen.

(Hier ein Ausschnitt von der Mönkebergstrasse in Hamburg)

Auf Twitter war das heute ein viel zitiertes Thema. Warum beschweren sich die Streetview Kritiker nicht auch über Sightwalk? Eigentlich logisch: Vermutlich konnte Sightwalk (bis heute) einfach unter der Wahrnehmungsgrenze agieren, das ist jetzt aber vorbei. Ich bin sehr gespannt, ob Sightwalk jetzt auch unter die Räder kommt, oder ob sich der Zorn der Datenschützer auch über Sightwalk ergiesst.

Meine persönliche Meinung? Ich finde die Sorge der Datenschützer albern. Es gibt sicherlich grenzwertige Fälle, in denen Personen sich in Situationen ertappt fühlen, die sie nicht publik gemacht sehen wollen. Oder Hausbesitzer, die es nicht schätzen, dass ein Google Streetview Auto mit der über 2m hohen Kamera eine Sicht in ihren Vordergarten hat, die kein normaler Passant hätte.

Aber von diesen (wahrscheinlich eher wenigen) Fällen abgesehen, ist der Vorteil für die Mehrheit der Internetnutzer von viel größerem Wert. Warum kann man keine Lösung anstreben, in der einige Personen und Vordergärten unkenntlich gemacht werden, sodass der Rest wenigstenst für die überwiegende Allgemeinheit nutzbar bleibt?

Der Mehrwert der aktuellen “Beziehungsinflation”

Eine interessante Diskussion zwischen Thomas Knüwer und Umair Hague – der dieser Diskussion vermutlich nicht folgen kann, denn Herr Knüwer schreibt ja auf Deutsch.

Wie viele Facebook Freunde habt ihr? Mehr als 130 (denn dass ist der Durchschnitt)? Kennt ihr alle persönlich, sind das wirklich Freunde? Oder auch (Ex-) Kollegen, alte, fast vergessene Schulkameraden – und dann noch der nervige Typ von der Party neulich, den ihr nicht ablehnen könnt, weil er gut mit eurem besten Freund befreundet ist (der wiederum noch gar kein Facebook Profil hat)?

Dazu noch Follower auf Twitter, Kontakte auf YouTube, MySpace, Xing, Linkedin – es gibt ja fast keine Grenzen, wie viele Freundeskreisnetzwerke man sich aufbauen kann. Auch wenn die Kontaktlisten teilweise überlappen.

Die Frage, die jetzt an einigen Orten im Web gestellt wird, ist die nach der Qualität dieser Kontakte. Umair Haque nennt das eine Relationshop Inflation, was ich einen sehr schönen Ausdruck dafür finde:

Today, “social” media is trading in low-quality connections — linkages that are unlikely to yield meaningful, lasting relationships. Call it relationship inflation. Nominally, you have a lot more relationships — but in reality, few, if any, are actually valuable. Just as currency inflation debases money, so social inflation debases relationships. The very word “relationship” is being cheapened. It used to mean someone you could count on. Today, it means someone you can swap bits with. (Umair Haque – the social media bubble.)

Das klingt erstmal so, als wäre das ein Drama. Wäre es ja auch, wenn es um alle Beziehungen ginge.

In einer Welt Kompakt Werbung wurde das sehr schön ausgedrückt: “Wir haben online so viele Freunde, dass wir ein neues Wort für die echten brauchen.” Das ist natürlich verkehrt herum gedacht. Aber im Prinzip stimmt es.

Unser Beziehungssystem ändert sich. Die engen Freunde werden immer bleiben, die sollten wir auch weiterhin so nennen und die Beziehungen (offline!) pflegen. Wer diese Freunde von den im Folgenden genannten nicht trennen kann, der sollte sein “Social Media” besser ganz abschalten.

Dazu kommen all die lockeren Bekannten, die man nur 1x pro Jahr auf Parties oder Konferenzen und Barcamps sieht, mit denen man ab und zu mal zusammenarbeitet, etc. Kontakte, die man vor 15 Jahren noch nicht richtig pflegen konnte, weil die Beziehung zu lose für einen konstanten “Ping” in Form kurzer Messages, Anstubsen/gruscheln, “gefällt mir”s und ähnlichen “hallo ich bin noch da” Bekundungen war. Kontakte, die heute und in Zukunft aufgrund dieser neuen Möglichkeiten das Leben bereichern werden.

Denn da bin ich ganz bei Herrn Knüwer, der beschreibt, wie diese lockeren Kontakte dennoch in der Offline Welt relevant werden können:

Denn auch schwache Verbindungen können dafür sorgen, dass Menschen füreinander etwas tun. Das kann bei schnöder Unterhaltung anfangen: Man ist in einer Stadt und schaut mal, wen man dort auch nur flüchtig kennt. Ergebnis: ein Abend Zerstreuung. Informationen lassen sich auch leichter beschaffen: Wer ein Problem hat, findet via Twitter oft Hilfe. Die neuen Verbindungen verändern etwas. Wir sind bereit, uns aktivieren zu lassen. Wir setzen uns ein für Menschen, denen wir uns aus welchen Gründen auch immer nahe fühlen.

Selbst wenn das nicht klappt: Ich habe zur Zeit etwas über 530 Kontakte auf Facebook, ein paar meiner engsten Freunde sind noch nicht mal dabei, weil sie Facebook verweigern. Aber bei diesen 530 Kontakten sind ganz viele Ex-Kollegen, alte Schulkameraden, Studienkollegen, etc. dabei, von denen ich einfach gerne hin und wieder lese, was sie zur Zeit bewegt.

(Und wenn ich nach 10 Jahren mal wieder nach Schottland zurückfahre, dann kann ich meine alten Studienkollegen dort relativ schnell wieder aktivieren, weil ich die Jahre über einen konstanten “Ping” mit ihnen hatte.)

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