Eine Gefahr für die Netzneutralität: „Die Bombe“

Das Geschäftsmodel von Adblock Plus wurde bereits als „Internetwegelagerei“ bezeichnet. Ein von Nutzern installierter Filter, der fast jegliche Online Werbung ausblendet – und nur gegen Bezahlung wieder eingeblendet wird.

Die aktuelle Initiative einiger Telekom Unternehmen führt allerdings noch sehr viel weiter. Ein Projekt mit dem internen Namen „Die Bombe“ soll sämtliche Werbung auf mobilen Endgeräten ausblenden. Ähnlich wie bei Adblock Plus soll es Unternehmen wie z.B. Google möglich sein, durch Zahlung einer noch nicht näher definierten Summe die Werbung wieder einblenden zu lassen.

Der Auslöser für diese Initiative ist das Argument, dass Anbieter wie Google die Infrastruktur nutzen, um mit Werbung Geld zu verdienen – sich aber nicht an den Kosten für diese Infrastruktur beteiligen.

Die teilnehmenden Mobilfunkanbieter wollen auf diesem Weg vor allem Google dazu bewegen, sich wieder mit an den Verhandlungstisch zu setzen und doch nochmal darüber nachzudenken, ob man nicht Teile der Werbeeinnahmen abgeben möchte. (Quelle)

Das klingt wie Erpressung. Zahl uns Geld, oder wir schalten dir deine Einnahmequelle ab, Google?

Mit diesem Schritt wäre die Netzneutralität wieder einmal gefährdet. Die Initiative wird allerdings mehr Verlierer haben, als nur die Unternehmen, die Werbung vermitteln. Denn Google schaltet die Werbung nur, dahinter stecken weitere Stakeholder, die von Online Werbung profitierten:

  • Website Betreiber, die mit Werbung Geld verdienen. Insbesondere viele Nischenangebote, die auf Online Werbung angewiesen sind.
  • Nutzer, die Websites besuchen, die aufgrund solcher Werbung kostenlos bleiben können.
  • Unternehmen, die mit ihrem Geschäftsmodell stark auf Online Werbung angewiesen sind.

Auf die ersten beiden Punkte wird in vielen Blogs hinlänglich eingegangen. Der dritte Punkt ist allerdings ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Aufgrund meines eigenen kleinen Online Shops – dem Vanille Shop – weiss ich sehr gut, was mich diese Initiative kosten könnte: schlimmstenfalls ca. 23% meines Traffics stammt aus Google AdWords. Das wäre für meinen kleinen Online Shop ein ziemlich herber Verlust. Und das nur, weil die Telekom Unternehmen die Hals nicht voll genug bekommen können. Wird die Infrastruktur nicht bereits von den Nutzern mitbezahlt, die ihren DSL-Anschluss teuer bezahlen?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Infratstruktur wie das Internet in staatliche Hände gehört (wie z.B. das Straßennetz), oder zumindest sehr starkt reguliert werden sollte!

 

 

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Der Überwachungsstaat kommt schleichend.

Der Überwachungsstaat kommt schleichend daher, aus lauter einzelnen kleinen Entscheidungen oder technologischen Forstschritten setzt er sich langsam zusammen. Manchmal auch aus zwei ursprünglich unabhängig getroffenen Entscheidungen.

 

Zwei Beispiele dazu sind mir heute ins Auge gefallen:

 

Der überwachte Autofahrer (Zeit.de):
Ab Frühjahr 2018 wird jeder Neuwagen per Gesetz eine eingebaute SIM-Karte haben. Diese SIM-Karte ist eigentlich für das eCall Notruf System gedacht und sicherlich im Prinzip sehr sinnvoll. Wie der Artikel allerdings weiter beschreibt, ist diese Einführung im Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung und den Plänen der Automobilhersteller eine zweischneidige Sache.

Denn während die SIM-Karte nur im Notfall eine Datenverbindung herstellen wird, planen die Automobilhersteller die kontinuierliche Datennutzung für diverse Bordsysteme. Diese Datennutzung wiederum wird aufgrund des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung 4 Wochen lang gespeichert. Vermutlich inklusive genauer Ortsdaten. Ob die SIM-Karte auch bei normaler Datennutzung (sprich außer Notrufe und Navi-Nutzung) immer Ortsdaten mitsendet, ist mir nicht ganz klar und wird in dem oben verlinkten Artikel einfach so vorausgesetzt.

Bei allen Neuwagen, für die ab 2018 die Verbindung von SIM-Karte und kontinuierliche Datennutzung zutrifft, ergibt sich somit die Möglichkeit sehr genaue Bewegungsdaten zu erstellen. Inwiefern der Fahrer die Übermittlung der Ortsdaten unterbinden kann, ist sicherlich je Fahrzeugmodel unterschiedlich.

 

Überwachung des Ausgaben- und Einkaufsverhaltens (rolandtichy.de):
Angeblich wird gerade darüber diskutiert, Bargeld abzuschaffen. Das hat mehrere Vorteile. Allen voran werden Verbrechen (Raub, Drogenhandel etc.) sowie Schwarzmarktgeschäfte (Dienstleistungen ohne Rechnung) erschwert. Außerdem lassen sich Negativzinsen durchsetzen, da niemand mehr sein „Geld“ in irgendeiner haptischen Form in Sicherheit bringen kann. Außer er kauf dafür Edelmetalle. Aber auch das wird in größeren Mengen registriert.

Daraus ergibt sich aber auch, dass sich das Ausgabeverhalten der Bürger lückenlos nachvollziehen lässt. Mit einer Genauigkeit, die zumindest die Nachverfolgung der Ausgaben-Orte ermöglicht. Meist lässt sich dadurch aber auch nachvollziehen, wofür jemand sein Geld ausgegeben hat, insbesondere, wenn das Produkt- oder Service-Portfolio eines Ausgaben-Ortes eindeutig ist.

Es wird viele Interessenten für diese Daten geben, teils für aggregierte Datensätze (z.B. Marktforschungen), zum anderen aber auch für individuelle Datensätze (z.B. Krankenkassen, bzw. Versicherungen allgemein).

 

Die reine Sammlung dieser Daten ist in beiden Fällen „eigentlich“ kein Problem. Aber wenn die Daten erstmal vorliegen, dann wird es immer wieder Bestrebungen geben, Zugriff auf diese Daten zu erlangen. Und wie oft hat sich die Politik schon von Lobbyisten weichklopfen lassen?

 

 

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