Social TV und Echtzeit Partizipation bei ARD und ZDF

Früher mochte ich den Tatort nicht, und konnte gar nicht verstehen, warum so viele Leute Sonntag Abend vorm Fernseher kleben. Seit einiger Zeit hat mich der Tatort-Virus erfasst, und die Online Kommentare auf Twitter sind daran nicht unschuldig. Heutzutage ist #tatort jeden Sonntag Trending Topic bei Twitter. Das Gefühl des gemeinsamen Fernseherlebnisses ist größer, als es bei „Wetten, dass…“ je sein konnte.

Und ausgerechnet gestern habe ich den Tatort verpasst. Den ersten Tatort ohne eine komplette Auflösung im Primetime TV – dafür mit einem Online Spiel, wo sich die Netzgemeinde darin versuchen kann, den Fall zu lösen.

Tatort Online Game

Man kann sich mit Twitter, Facebook oder einfach nur so anmelden. Nach einem kurzen Tutorial wird man in die virtuelle Polizeiwache entlassen und kann anfangen, die Indizien oder die Leiche zu untersuchen.

Tatort Online Game

… Oder die Verdächtigen zu befragen. Eine einfache Point-and-Click Befragung, wo man vorgegebene Fragen anklicken und sich beantworten lassen kann.

Tatort Online Game

Ob das Gesamtpaket aus TV Serie und Online Spiel gut umgesetzt worden ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen, denn ich will mir erst noch die Tatort Folge in der Mediathek oder bei YouTube ansehen.

 

Social TV und Echtzeit TV in 2012

Ingesamt zeichnet sich bei den öffentlich rechtlichen ein spannender Trend zum vernetzten Social und Echtzeit TV ab. Ob alles wirklich Social TV ist? In dem Beispiel der ARD fehlen mir diverse soziale Mechanismen. Außer Sharing und ein wenig Kommentierung unterhalb des Game-Frames ist hier (nach ersten Blicken) nichts möglich. Dabei wäre es ja sehr spannend, wenn die Netzgemeinde, die zuvor während des Tatorts getwittert hat, hier weiterhin zusammen den Fall lösen könnte.

Bei der ZDF Serie „die letzte Spur“ konnten die Zuschauer online gemeinsam über den vermutlichen Täter rätseln. Tatsächlich konnten die Zuschauer sich auf dem sogenannten „Second Screen“ schon während die Serie lief dazu austauschen. Das mutete schon eher wie Social TV in Echtzeit an.

Auch andere Sender testen interaktive Live-Formate und Social TV. So spielen „The Voice“ und Gottschalk TV in einem mehr oder minder starken Ausmaße ebenfalls mit der Partizipation der Zuschauer.

Mit der Rundshow startet heute abend der aktuellste Versuch, Social TV in Echtzeit zu produzieren. Richard Gutjahr zu seinem neuen Projekt:

Wir haben Themen im Auge, die im klassischen Programm selten eine Chance haben. Wir haben Technologien und Workflows am Start, die im herkömmlichen TV-Sendebetrieb bislang nicht zum Einsatz kommen. Wir haben unsere Köpfe geöffnet, Dinge völlig neu zu entwickeln – oder aber auch beizubehalten, sofern uns dies als sinnvoll erschien. Bei diesem Projekt ging es nicht darum, das Fernsehen zu revolutionieren, vielmehr das Medium und seine Möglichkeiten in Kombination mit dem Web spielerisch weiterzudenken.

Eine App wird es Zuschauern ermöglichen, in Echtzeit an der Sendung teilzuhaben, schreibt Thomas Knüwer:

…können sich Zuschauer via iPhone-App mit dem bescheidenen Titel “Die Macht” beteiligen: Einerseits gibt es da Umfragen mit vorgefertigten Antworten (die bisher zu klischeehaft klingen), andererseits einen beständig einsetzbaren Daumen-hoch-oder-runter-Button, der im Studio in Form von Applaus oder Buh-Rufen Gehör findet. Schließlich können Zuschauer auf Fotos und Videos in der App hochladen. Die Redaktion wird diese zwar prüfen – für überraschende primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale reicht die Innovationsfreude des BR dann doch nicht -, die Moderatoren aber wissen nicht, was jeweils auf sie zukommt.

Scheint so, als ob 2012 ein spannendes Jahr werden wird, was Social TV und Echtzeit Partizipation angeht!

 

 



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