All-ways on: in 10 Jahren spricht keiner mehr vom Internet.

Die Piratenpartei wird als „Internetpartei“ wahrgenommen. Allerdings geht es allenfalls noch ein paar Jahre um das „Internet“ Die Frage von Roland Tichy von der Wirtschaftswoche heute war so einfach wie windschief:

Die Piraten sind keine Internetparteim Sie repäsentiert das Lebensgefühl einer Generation, die von den Altparteien vergessen wurde.ja/nein? (…) wie könnte man das Lebensgefühl umschreiben, das die Piraten repräsentieren – jenseits vom Internet?

Martin Weigert antwortet dementsprechend, in meinen Augen ganz richtig:

Das „jenseits vom Internet“ ist genau der Denkfehler. Es gibt in diesem Lebensgefühl kein „jenseits vom Internet“.

In einem Blogpost bei netzwertig.com geht Martin etwas mehr ins Detail:

Doch lässt sich hier tatsächlich noch zwischen Internet und der “realen Welt” unterscheiden? Ich behaupte, nein.

Ein wichtiger Teil des Lebensgefühls im Netz aktiver Bürger ist die nicht mehr vorhandene Unterscheidung zwischen offline und online. Das Internet ist nicht mehr eine Mediengattung unter vielen, sondern es ist DAS allgegenwärtige Medium, welches einen rund um die Uhr begleitet.

Das Internet ist nicht nur Medium. Es ist das überlegene Werkzeug, mit dem sich alle anderen Aspekte des Lebens organisieren, steuern und vereinfachen lassen. Wer dies erkannt hat, sieht das Netz nicht mehr als etwas Losgelöstes von der Realität, wie es häufig von Vertretern traditioneller Denkweisen gemacht wird. Es ist essentieller Teil des Lebens. Es ist globales Kommunikations-, Planungs, Wissens- und Unterhaltungs-Tool in einem.

Wie Martin sagt, sind wir später einfach ‚allways-on‘. Oder, möchte ich hinzufügen: ‚all ways on‘. Nicht nur immer, sondern überall. Zuhause, unterwegs und mobil, im Auto, im Wald, egal wo. Egal auch womit. Mit dem PC, dem Fernseher, dem Auto“radio“, dem Handy oder dem sagenumwobenden Kühlschrank.

Daher wage ich auch folgende These in den Raum zu stellen: in 10 Jahren wird keiner mehr über einen „Internetzugang“ oder das „Internet“ sprechen. Man wird sich genausowenig damit beschäftigen, wie man sich über Sauerstoff oder Elektrizität Gedanken macht. Nämlich eigentlich immer nur dann, wenn es knapp wird oder fehlt.

Ein Digital Native fragte mal: „wie sind die Menschen eigentlich ins Internet gekommen, bevor es Computer gab?“. Eine berechtigte Frage für einen 7 oder 8 jährigen Digital Native, für den das Internet so normal ist wie Elektrizität oder fliessend Wasser!

Zwar bei weitem nicht mehr Digital Native, sondern eher Digital Immigrant, habe ich mich ebenfalls so sehr an ein „Überall Internet“ gewöhnt, dass ich fast eher auf fliessend Wasser als auf das Internet verzichten würde (solange es sich nur um ein paar Stunden handelt).

Wenn dieses Lebensgefühl in der Bevölkerung immer breiteren Zuspruch findet, dann kann die Piratenpartei tatsächlich Bedürfnisse einer größeren Masse ansprechen. Nicht ganz im Sinne einer Volkspartei, aber vielleicht ebenso breit vertreten wie die Grünen, die sich ebenfalls aus einer vermeintlichen Nische heraus entwickelt haben.



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