Denkt ihr etwa, wir sind alle Lobo?

Im Stern Online gibt es einen kurzen Artikel über Sascha Lobo von Johannes Gernert. Er trägt den schönen Titel „der Posterboy der Generation Upload“ und beschreibt die bisher recht erfolgreiche Etablierung und Pflege der Marke „Sascha Lobo“. Denn das macht Herr Lobo ganz gezielt: Er pflegt seine Marke (und seinen Irokesenhaarschnitt, und hoffentlich auch ein wenig den Rest).

Damit verdient er angeblich viel Geld. Mit Sicherheit überdurchschnittlich – insbesondere im Vergleich zur restlichen digitalen Boheme, die er in seinem ersten Buch (geschrieben mit Holm Friebe – was macht der eigentlich mittlerweile?) so treffend beschreibt.

Als ich das Buch damals las, dachte ich, die Herren Friebe und Lobo haben nicht nur diesen Zeitgeist pointiert portraitiert, sondern stehen auch selbst für diesen Lebensstil, praktizieren ihn, jahraus jahrein im Café Oberholz (oder ähnlichen Cafés).

Zwischendurch durfte ich Herrn Lobo persönlich kennen lernen, als er sein damals neues Werbenetzwerk in unserer Agentur präsentierte und dachte mir: das ist tatsächlich Arbeit, er nennt es nicht nur so. Ich konnte mir damals sehr gut vorstellen, wie das so funktionierte, mit der digitalen Boheme, gerade in Berlin. Der Flair gefiel mir gut. Bloggen, Web 2.0 Kram machen, Geld verdienen, wenn auch mäßig, dafür aber mit WLAN im Café sitzen und auch nicht viel brauchen.

Jetzt wird Herr Lobo als der „Posterboy der Generation Upload“ bezeichnet und das trifft es wahrscheinlich sehr gut. Er tritt überall auf, soll repräsentativ für eine ganze Generation stehen, und tritt auf diese Weise stellvertretend  in Fernsehsendungen auf, wo es, wie heute bei Maybrit Illner, um die Rente ging.

Das Problem ist: Mit Lobo als „Posterboy“ kann nun zweierlei passieren:

  1. Durch diese mediale Omnipräsenz und der erzwungenen Identifizierung mit einer Generation, die sich wahrscheinlich nie im Leben selbst „Upload“ nennen würde, wird Herr Lobo über kurz oder sehr kurz dem gleichen Schicksal erleiden, wie so viele „One Hit Wonder“ Posterboys. Vergessen aufgrund von totaler Übersättigung, Abstumpfung gegenüber jeglicher loboistischer Präsenz, Ausblendung sogar des leuchtfeuergleichen strassenbesengleichen Irokesenschnittes.
  2. In der allgemeinen Bevölkerung setzt sich ein völlig falsches Bild fest. Eine ganze Generation wird jetzt über einen Kamm geschert: die Generation Upload ist wie Lobo. Das sind alles leicht schräge, manchmal auf der Grenze zum Prekariat balancierende, gesellschaftlich aneckende Freiberufler (die schlimmstenfalls noch in einer Partei sind, die irgendwas mit Räubern oder Freibeutern zu tun haben).

Am Ende wird sich jeder fragen: Was war jetzt der Beitrag von Herrn Lobo zu einer Generation (Upload, Y, digitale Boheme, wie auch immer), die das Netz nicht nutzt, um sich zu profilieren, sondern um einfach und unabhängig zu arbeiten. So, wie er es einmal benannt hat?

Finden wir das eigentlich gut, dass Herr Lobo uns „repräsentiert“? Und wer ist eigentlich „uns“? Wie finden wir es, in eine Schublade namens „Generation Upload“ gesteckt zu werden?

Ich mein ja nur – ich bin nämlich nie gefragt worden. Jetzt bin ich, als Blogger, Twitterer und generell aktiver Social Media Nutzer, in den Augen vieler plötzlich Teil von einem „Uns“, repräsentiert von einem Menschen dessen Bücher ich zwar gerne gelesen habe, mit dessen Lebenswandel ich mich darüber hinaus aber nicht identifzieren kann.

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