Vollkommene Märkte, Amazon und Markttransparenz bei gebrauchten Büchern

Weil mein Bücherregal mittlerweile überquellt, habe ich beschlossen, eine „Sedimentsbereinigung“ zu machen. Viele Bücher haben sich über die Jahre in meinen Regalen festgesetzt, teilweise weiss ich schon gar nicht mehr, was in den Büchern drin steht (vor allem bei denen, die man mal nebenbei am Flughafen oder Bahnhof kauft).

Also habe ich beschlossen, diese Bücher nach und nach bei Amazon zu verkaufen. Ich habe mich an den üblichen Preisen für gebrauchte Bücher dieser Art orientiert und jetzt ein Buch für sage und schreibe 1 Euro verkauft. Die Abrechnung kam auch gleich:

amazon.jpg

Klingt ja soweit ganz nett. Das Problem ist nur: morgen werde ich ca. 2 Euro dieser Versandkostengutschrift bei der Post wieder abgegeben. Somit mache ich einen Verlust von ca. 0,47 Euro.

Woran das liegt? An den Gebühren einerseits. Die sind ein wenig intransparent, aber wenn man sich die Nettobeträge der Gebühren ansieht (und sich in den Kreis- und Querverlinkungen der Hilfeseiten nicht verliert), wird einiges klarer:

1,01 Euro Versandkostentransaktionsgebühr

0,99 Euro Amazon Gebühr

0,15 Cents (15% des Verkaufspreises von, in diesem Fall, 1 Euro)

=2,15 Amazon Verkaufsgebühr

Somit muss man den Verkaufspreis von vornherein ausreichend hoch ansetzen, darauf weist einen Amazon sogar hin, wenn man beim im-Kreis-Klicken dies hier findet:

Als Verkäufer sind Sie auch dann zum Versand der Ware verpflichtet, wenn die Versandkostengutschrift für Verkäufer Ihre Versandkosten nicht vollständig deckt. Solche Diskrepanzen sollten Sie bereits bei der Festlegung Ihres Verkaufspreises berücksichtigen.

Das tut aber kaum einer, vermute ich. Denn sonst würden die Preise nicht so lächerlich niedrig sein. Ich habe mich mit dem 1 Euro ja am untersten Preissegment bewegt, war also nicht der einzige, der so wenig genommen hat. Momentan gibt es immer noch Angebote ab 90 Cents!

Damit ist man in einer Zwickmühle. Wenn man einen Profit machen will, muss man Preise verlangen, die teilweise weit über dem niedrigsten Angebot liegen. Damit ruiniert man sich aber den Absatz.

Eigentlich sollte das Internet Preise transparent machen und quasi vollkommene Märkte und ein Equilibrium der Preise ermöglichen. Das ist allerdings hier anscheinend nicht möglich, drei Dinge verhindern das, vermute ich:

  • das Angebot ist (zumindest jetzt noch) sehr viel höher als die Nachfrage. Für das besagte Buch hat der Amazonkunde knapp 200 gebrauchte Exemplare ab 90 Cents zur Auswahl
  • die meisten Anbieter sind vielleicht verunsichert, wie die tatsächlichen Kosten für einen Verkauf sind, sonst würden sie nicht so niedrig anbieten
  • die meisten Verkäufer sind vielleicht „Power-Anbieter“, für die entfällt nämlich aufgrund eines Monats-Abos die Gebühr. Und das Abo lohnt sich angeblich nach bereits 40 Verkäufen.

Wenn meine Rechnung stimmt, dann ist die Plattform von Amazon für den normalen Verkäufer gebrauchter Bücher in diesem absoluten Billigsegment nutzlos. Schade.

Mittlerweile bin ich am überlegen, ob ich diese Bücher nicht einfach freilassen sollte.



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