Die Tage des freien Internets sind gezählt

Das schreibt zumindest die Netzeitung in einem etwas melodramatischen Artikel.

Die Begehrlichkeiten der Strafverfolger sind längst geweckt. Erst kürzlich äußerte die deutsche Bundesregierung die Meinung, der Verfassungsschutz dürfe mit Hackermethoden die Computer von Verdächtigen ausspionieren. Kritiker vermuteten deshalb, dass der so genannte «Bundestrojaner» – wie die Ausspähung mittels EDV salopp genannt wird – durch die deutschen Geheimdienste schon längst Realität ist – ohne, dass die Öffentlichkeit informiert wurde.

Ob das wirklich so ist? Ein Zitat finde ich aber bezeichnend für uns Deutschen:

Die Möglichkeit aus der sicheren Deckung der Anonymität heraus, Meinungsäußerungen mit getarnter Urheberschaft abzugeben, lädt zum Missbrauch geradezu ein.

Das ist in anderen Ländern sicherlich anders.  Ein Kollege von mir sagte ähnliches: wir sind ein Land der Foren und nicht der Blogs (vor allem im Vergleich zum Rest von Europa), weil man in Foren anonym schreiben kann, in Blogs nur bedingt anonym. Als ob wir uns aus irgendeinem Grund davor scheuen, mit unserer Meinung an die Öffentlichkeit zu gehen, ohne entweder anonym oder Teil einer Masse zu sein.

Jetzt sind halt die Forenbetreiber für die durch User geschriebenen Inhalte in ihren Foren verantwortlich. Auf irgendjemand müssen wir ja mit dem Finger zeigen.

Wie berichtet, haften die Betreiber von Internetforen nach einem Urteil, das der Bundesgerichtshof in dieser Woche fällte, für Beleidigungen, die Nutzer in diesen Foren veröffentlichen. Dies gilt selbst dann, wenn die Identität des Nutzers, der sich des Tatbestandes schuldig gemacht hat, bekannt ist. Für die Betreiber von Foren hat dies weit reichende Konsequenzen.

Ich würde kein Forum mehr betreiben, bei solchen Fussfesseln. Ich vermute mal auch, dass viele Foren jetzt von der Bildfläche verschwinden werden. Somit sind wir dann weder das Land der Blogs, noch das der Foren. Freut Euch schon mal auf nur noch statische Websites. Willkommen zurück in den 90ern.

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Bürokratie vs Wirtschaft

Amerika ist das Land der Unternehmer. Unkomplizierte, effektive, teilweise moralisch fragwürdige Wirtschaftspraktiken scheinen das Land voranzubringen. Es mag auch dort bremsende Faktoren geben (Rechtsstreits, etc.), aber die Bürokratie scheint die Wirtschaft nicht stark zu behindern.

Da habe ich von Freunden und Bekannten hier in Deutschland ganz andere Stories gehört. Freunde, die sich selbstständig machen wollten und den First Mover Benefit voll auskosten wollten, sich dann aber durch ein umfangreiches bürokratischen Verfahren quälen mussten, nur um zuzusehen, wie ihre Ideen von anderen, etablierten Unternehmen schneller umgesetzt wurden.
In den USA verhilft z.B. MyNewCompany den unternehmungslustigen Freidenkern ganz massiv, den bürokratischen Quatsch „on the fly“ oder zumindest online abzuwickeln.

An online service that handles all of the necessary paperwork and legal documents for incorporation. You can do this paperwork yourself, but it’s typically a quagmire of legalese and headaches. If you’re running your own startup your time is usually better focused on building your business instead of dealing with arcane laws and forms for days/weeks. You can easily ‚create‘ a company in about 8-10 minutes online. Collection of necessary data is not really much more difficult than filling out a few online forms – and they’ve done a great job of explaining things along the way. Better yet, they provide a whole slew of various options and additional services that you can chose, and when you’re all done with sign-up, they keep you up to date on overall progress on their end. Likewise, their online ‚dashboard‘ gives you access to additional business resources and links.

Eine gute Idee. Aber würde das in Deutschland auch funktionieren?

(hier gefunden)

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Berliner Currywurst

Die Tipps der beiden Kommentatoren zu meinem letzten Post konnte ich leider aus drei Gründen nicht mehr nutzen (ich bedanke mich dann noch mal persönlich bei Euch):

  1. ich war am Freitag Abend nicht mehr online und habe sie vor Sonntag nicht gelesen,
  2. ich war am Samstag nicht online, denn es war „Internet Shutdown Day„, daran habe ich mich sogar ein wenig gehalten,
  3. und ich bin schon gestern Abend aus Berlin zurückgekommen, da ich heute doch leider noch arbeiten muss.

Immerhin haben wir es heute (nach der ADC Ausstellung) zur angeblich berühmtesten Currywurstbude Deutschlands geschafft:

konnopke.jpg

Konnopke’s Imbiss, gegründet 1930. Gibt es somit schon seit über 75 Jahren. Man munkelt, dass es hier die beste Currywurst Deutschlands gibt. Das mag sein, ich bin kein Experte. Sie war sehr lecker, aber ich könnte nicht beurteilen, ob sie wirklich besser als anderswo ist. Aber was ich beurteilen kann, sind zwei Dinge:

  1. An einem Samstag Mittag gegen 13 Uhr ist die Schlange locker 20-30 Meter lang. So lange Schlangen habe ich bei normalen Imbissbuden noch nie gesehen.
  2. Es ist die erste Imbissbude (meines Wissens), die Geschenkgutscheine verkauft! Nach dem Motto: wer alles hat oder nix will, hat immer noch Platz für ne Currywurst. (oder so.)

konnopke_crm.jpg

Wahnsinn, oder? So was könnte man mir jederzeit für meine Lieblingsdönerbude („Morgenland“) schenken.

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Kann mal jemand das Internet für Herrn Glos bedienen?

Michael Glos ist seit 2005 Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Daher ist das von Spiegel Online gefundene Zitat gerade zu erstaunlich:

„Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.“

Ist ja auch lästig, ständig das Internet bedienen zu müssen. Vielleicht ist das ja eine Marktlücke in der Servicewüste Deutschland: gegen Geld jeden Tag 1-2 Stunden für beschäftigte Leute das Internet zu bedienen. Oder so. Ein wenig daran herumzustellen, an- und ausschalten, von links nach rechts drehen und wieder zurück.

Schlimmer ist nur noch, dass er froh darüber ist, Leute dafür zu haben. Zeigt es doch, dass er nicht bereit ist, sich mit einem der wichtigsten Technologie und Wirtschaft treibenden Phänomene der letzten Jahre auseinanderzusetzen.

(Ich hab’s übrigens von hier, dor gibt’s auch ein Video zu sehen.)

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