Kommentarlos sicher.

Spreeblick fragt: Gibt es eine Zukunft für Foren und Weblog-Kommentare? (und hat bei diesem Post 21 Kommentare).

Es geht hier um ein Gerichtsurteil des Landgerichts Hamburg, nach dem Betreiber von Foren und/oder Blogs verklagt werden können, wenn es auf deren Seiten Kommentare von dritten gibt, die dem Kläger schaden. In dem konkreten Beispiel hatte ein Kommentator dazu aufgerufen, massenweise die Software des Klägers von dessen Website herunterzuladen, damit der Server zusammenbricht. Eine regelrechte Aufhetzung der Leser also. Nur hatte der Betreiber des Forums nichts damit zu tun, allenfalls kann man ihm vorwerfen, überhaupt über die Software des Klägers geschrieben zu haben, sodass sich im Forum die Diskussion entfachen konnte.

Dementsprechender Wildwuchs an Kommentaren ist somit auch auf Spreeblick zu finden.

Aber ebenso viele Kommentare (alles Stand 21:00h am 18.4.) hat das Lawblog von Udo Vetter, in dem Sascha Kremer auf das Urteil genauer eingeht. Die Ausgangslage laut LG Hamburg:

Jedenfalls dann, wenn, wie bei einer solchen Sachlage, der Verbreiter damit rechnen muss, dass das von ihm den Nutzern zur Verfügung gestellte Angebot missbraucht werden wird, muss er wirksame Vorkehrungen treffen, um einen solchen Missbrauch zu vermeiden, und solche Vorkehrungen können hier nur darin bestehen, dass die eingehenden Beiträge vor ihrer Freischaltung geprüft werden.

Heisst also: wer anderen Leuten erlaubt, auf seiner Website ihre Meinung zu äussern, sollte sich jeden Kommentar einzeln anschauen und freigeben (oder eben nicht), ansonsten ist er als „Gehilfe“ tätig und kann verklagt werden.

Ausgangspunkt der Überlegungen des LG Hamburg ist dabei gewesen, dass die Verfügungsbeklagte zunächst eine als „klassische Presse“ zu bezeichnende Internetseite betreibt, an die das Nutzerforum lediglich als zusätzlicher Service für die Nutzer der Internetseite angeschlossen ist. Damit aber werde das Nutzerforum gleich einer „Leserbriefseite“ in der Zeitung zum Bestandteil des Presseangebots als solchem.

Etwas weiter schreibt Sascha Kremer dann auch, dass dieses Urteil nicht gilt, wenn es sich um ein Forum ohne vorgegebene Themen handelt. Aber was bedeutet das für Blogs?

Die entscheidende Frage ist deshalb, ab wann ein Forum – oder eine Kommentarfunktion in einem Weblog – als Ergänzung eines redaktionell gestalteten Angebots betrieben wird.

Schön, dass diese Frage anscheinend noch nicht geklärt ist. Denn meiner Meinung nach ist die Kommentarfunktion in einem Blog ganz klar die Ergänzung des Angebots. Die Kommentatoren können ja nur auf meinen Post antworten. Ich hab’s zumindest selten erlebt, dass jemand die Kommentarfunktion genutzt hat, um ein völlig neues Thema zu starten. Aber belassen wir es dabei.

Jetzt warte ich eigentlich nur noch darauf, dass die Versicherungsunternehmen eine Blogger-Rechtsschutzversicherung auf den Markt bringen. Ein Nischenprodukt ähnlich wie die Schlüsselversicherung der Allianz, klar – aber mit reichlich Wachstums-Potential in der deutschen Blogosphere. Einerseits weil die Blogosphere wächst (auch in Deutschland, jawohl), andererseits, weil es sicherlich noch mehr Landgerichte geben wird, die Urteile dieser Art fällen. Nicht zu vergessen wären ja auch die Abmahnwellen, die es bereits in den letzten Monaten gab.



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